„Autoreninterview mit: Rainer Kreuzer“

Frage 1: Wann hast du angefangen zu schreiben, und was hat dich schlussendlich dazu gebracht, dein erstes Buch zu veröffentlichen?

Ich habe schon in meiner Schulzeit ein paar Kurzgeschichten geschrieben, aber nie veröffentlicht. Meinen ersten Roman wollte ich eigentlich auch nicht veröffentlichen. Aber als ich damit fertig war, dachte ich, jetzt hast du so viel Arbeit da reingesteckt. Jetzt sollte auch ein richtiges Buch daraus werden. 

Frage 2: Wie fühlst du dich, wenn deine Bücher online gehen und die ersten Lesermeinungen dazu eintreffen?

Ich habe sehr viele Lesermeinungen erhalten. Das fand ich spannend. Mein Roman polarisiert sehr die breite Leserschaft. Die einen sind begeistert, weil er die etablierten Muster wie Genre und Happy End verlässt und mit den Formen experimentiert. Die anderen vermissen gerade deswegen die klare Struktur und sind von der Ironie und den philosophischen Diskussionen der Akteure genervt. Diese Kontroverse gefällt mir, weil sie zum Denken und zur Diskussion anregt. 

Frage 3: Wer oder was hat dich zu deinen Geschichten inspiriert, oder schreibst du einfach darauf los?

Zu dieser Geschichte, die ich in meiner Thriller-Satire geschrieben habe, hat mich vieles inspiriert. Einmal das Wendland selbst. Da bin ich sehr häufig. Dann sind es so einige Filme, die ich gesehen habe. Und auch eigene Erlebnisse. In der Coronaphase während des Lockdowns hatte ich dann viel Zeit. Da habe ich mich hingesetzt und meinen eigenen Film geschrieben. Somit brauchte ich keinen Streamingdienst. Eigentlich ist mein Roman ein Film. Ich habe ihn wie ein Filmplot geschrieben. Da ich aber kein Geld habe, kann ich die Geschichte nicht verfilmen. Eine Buchveröffentlichung konnte ich mir gerade noch leisten. 

Frage 4: Gibt es einen Lieblingsort, an dem du schreibst?

Ja, zum Schreiben setze ich mich am liebsten in eines dieser klassizistischen Kaffeehäuser an der Braunschweiger Straße in Gifhorns wildem Süden. Dort treffen sich ja viele Künstler, auch die Hipster aus dem Szeneviertel nebenan und neuerdings sogar diese öko-schicken Helikoptereltern mit den Lastenrädern und dem veganen Latte macchiato. Diese gesamte Gegend dort hat sich ja mit der Gentrifizierung sehr zu einem Kulturstandort entwickelt. 

Frage 5: Was sagen deine Familie und Freunde dazu, dass du schreibst, und lesen sie deine Bücher?

Bislang ist es erst ein Buch. Was sagt meine Familie dazu? Mein Opa war sehr enttäuscht. Er hatte sich eher einen klassischen Harzkrimi gewünscht. Meine Oma hat sich darüber geärgert, dass meine Geschichte im Wendland und nicht nicht in der Altmark spielt. Und so geht es weiter: Mein Kleingartenverein lädt mich nicht mehr zum Grillen ein, weil ich die Heldin meines Romans als Vegetarierin beschrieben habe. Der Opel-Manta-Fanclub, dessen stellvertretender Regionalkassenwart ich bin, hat mir mit Rauswurf gedroht, wenn ich mein Kapitel über das Trampen nicht schwärze. Überall eckt meine Geschichte an. Und das gefällt mir. 

Frage 6: Als Autor wachsen einem sicher die Protagonisten, die man entstehen lässt, ans Herz. Wie geht es dir dabei, wenn du unter ein Buch das Wort ENDE schreibst?

Dann fällt mir noch viel mehr ein. Die Geschichte geht sofort in meinem Kopf weiter wie ein Film. Aber ich weiß ja, dass irgendwann genug ist. Mehr kann ich meinen Lesern nicht zumuten. 

Frage 7: Gehst du neben dem Schreiben auch noch einem anderen Beruf nach, wenn ja, welchem? Und wie schaffst du es, das alles unter einen Hut zu bringen?

Ich bringe das ja gar nicht unter einen Hut. Ich habe viele Hüte zur Auswahl, die ich öfter mal wechsele. Und irgendwie ist mein Leben eine Baustelle. Das postmoderne Konzept, bei dem vieles geht, aber nichts wirklich funktioniert, finde ich gerade spannend. Der Begriff des Berufs hingegen ist sehr protestantisch geprägt und umschreibt den gesellschaftlichen Versuch, biografische Entwicklungen in Normen zu pressen und zu standardisieren. „Protestantische Ethik“. Denk an Max Weber… Horkheimer/Adorno haben sich darüber auch ausgelassen. Ich bleibe da skeptisch. „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Das ist mein Lieblingszitat von Adorno. Und das hat meine Lebenseinstellung seit meinem Studium in Frankfurt sehr geprägt. 

Frage 8: Gibt es etwas, das du deinen Lesern gerne mitteilen und sagen möchtest?

Ja, ich bedanke mich an dieser Stelle für die zahlreichen E-Mails und Likes auf all den blöden Social-Media-Plattformen, die ich meide. Vielen Dank auch für die vielen Postkarten und Blumen, die Ihr mir geschickt habt. Aber habt bitte Verständnis dafür, dass ich diese riesigen Mengen an Fanpost nicht mehr annehmen kann. Meine Mülltonne ist schon voll damit. Und die zweite, die ich nun bestellt habe, liegt noch in einem Schiffscontainer, der sich im Persischen Golf schon seit Wochen nicht mehr weiterbewegt. Hätte Trump diesen bescheuerten, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg nicht begonnen, könnte ich schon längst wieder meinen Müll entsorgen. Deswegen meine Bitte an euch: Keine Likes für Trump!  


Vielen Dank für das interessante und offene Interview, Rainer, und viel Erfolg mit allem, was du noch schreibst.

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Veröffentlicht von Bärbel und Andreas Zimmer

Wir sind Bärbel und Andreas Zimmer aus Niedersachsen. 2015 habe ich einen Kindle geschenkt bekommen, mit Büchern von Camilla Läckberg. Von da an war es um mich geschehen. Vor 2015 haben wir kein Buch angefasst, nun lesen wir beide. Wir lesen alle Genres und auch sehr gerne Kinderbücher. Jetzt möchten wir gerne unsere Begeisterung für die Autoren und deren Bücher weitergeben. Deshalb haben wir zunächst eine Gruppe bei Facebook und im August 2020 einen Blog erstellt. Wir stellen Autoren und ihre Bücher vor sowie rezensieren diese auch. Jetzt hoffen wir, Euch hiermit einige gute Bücher empfehlen zu können.

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