„Autoreninterview mit: Sebastian Neise“

Frage 1: Wann hast du angefangen zu schreiben, und was hat dich schlussendlich dazu gebracht, dein erstes Buch zu veröffentlichen?

Mit dem Schreiben habe ich vor etwa fünf Jahren begonnen, als ich schwer krank, bettlägerig und auf Pflege angewiesen war. Da mich Geschichte, insbesondere das Mittelalter, schon seit meiner Kindheit begeistert, begann ich damals, eigene Geschichten zu entwickeln und handschriftlich in Notizbüchern festzuhalten.

Über diese fünf Jahre sind zahlreiche Geschichten entstanden, die ich zunächst nur für mich geschrieben habe. An eine Veröffentlichung dachte ich damals noch nicht.

Nachdem sich mein Gesundheitszustand deutlich verbessert hatte, entschloss ich mich, meine Manuskripte nach und nach zu überarbeiten und im Selbstverlag zu veröffentlichen. Dass meine Bücher heute tatsächlich in Buchhandlungen stehen, hätte ich mir damals niemals vorstellen können.

Frage 2: Wie fühlst du dich, wenn deine Bücher online gehen und die ersten Lesermeinungen dazu eintreffen?


Jede Veröffentlichung ist für mich etwas Besonderes. Natürlich bin ich gespannt, wie meine Geschichten bei den Lesern ankommen. Besonders freue ich mich über positive Rückmeldungen und darüber, wenn ich Menschen für Geschichte begeistern kann. Sachliche Kritik gehört für mich genauso dazu, denn Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Letztendlich ist es für mich schon eine große Freude, dass meine Geschichten überhaupt gelesen werden.

Frage 3: Wer oder Was hat dich zu deinen Geschichten inspiriert, oder schreibst du einfach darauf los?


Meine größte Inspiration ist die Geschichte selbst, besonders das Mittelalter. Ich besuche regelmäßig historische Orte und habe unter anderem die Straße der Romanik bereist, wobei ich über 1.000 Kilometer zurückgelegt habe. Dabei entstehen oft neue Ideen für meine Bücher.

Besonders interessieren mich die einfachen Menschen, deren Leben in den Geschichtsbüchern kaum Erwähnung findet. Ihnen möchte ich mit meinen Geschichten eine Stimme geben. Bevor ich schreibe, beschäftige ich mich intensiv mit den historischen Hintergründen, damit meine Geschichten möglichst authentisch sind.

Frage 4: Gibt es einen Lieblingsort, an dem du schreibst?


Einen festen Lieblingsort habe ich eigentlich nicht. Früher habe ich meine Geschichten hauptsächlich im Bett geschrieben, da ich aufgrund meiner Erkrankung kaum andere Möglichkeiten hatte. Heute schreibe ich am liebsten in Ruhe zu Hause. Allerdings habe ich immer ein Notizbuch dabei, um spontane Ideen festzuhalten. Besonders beim Besuch historischer Städte, Burgen und Klöster kommen mir häufig neue Gedanken für meine Geschichten.

Frage 5: Was sagen deine Familie und Freunde dazu das du schreibst und lesen sie deine Bücher?


Meine Familie und Freunde freuen sich natürlich darüber, dass ich meine Geschichten inzwischen veröffentliche. Gerade weil sie wissen, welche schwere Zeit hinter mir liegt, ist es auch für sie eine besondere Entwicklung. Einige lesen meine Bücher und interessieren sich für meine Arbeit. Natürlich teilt nicht jeder meine Begeisterung für historische Themen, aber das ist auch völlig in Ordnung.

Frage 6: Als Autor wachsen einem sicher die Protagonisten, die man entstehen lässt, ans Herz, wie geht es dir dabei, wenn du unter ein Buch das Wort ENDE schreibst.

Das ist jedes Mal ein besonderer Moment. Schließlich habe ich meine Figuren über lange Zeit begleitet und mich intensiv mit ihren Schicksalen beschäftigt. Einerseits bin ich stolz, eine weitere Geschichte abgeschlossen zu haben, andererseits fällt der Abschied manchmal schwer. Besonders schön ist für mich der Gedanke, dass diese Figuren nun durch meine Bücher auch in den Köpfen der Leser weiterleben.

Frage 7: Gehst du neben dem Schreiben auch noch einem anderen Beruf nach, wenn ja, welchem? Und wie schaffst du es, das alles unter einen Hut zu bringen?


Derzeit beziehe ich aufgrund meiner gesundheitlichen Vorgeschichte noch eine Erwerbsminderungsrente und bin nebenbei als freiberuflicher Autor tätig. Mein Wunsch ist es, das Schreiben irgendwann hauptberuflich auszuüben, sofern es sich finanziell verwirklichen lässt. Sollte sich meine Gesundheit weiter verbessern, kann ich mir aber auch gut vorstellen, wieder einem regulären Beruf nachzugehen und nebenbei weiterhin Bücher zu veröffentlichen. Das Schreiben möchte ich auf jeden Fall langfristig fortführen.

Frage 8: Gibt es etwas, das du deinen Lesern gerne mitteilen und sagen möchtest?


Ich war während meiner schweren Erkrankung im Krankenhaus selbst für kurze Zeit tot und habe eine zweite Chance bekommen. Seitdem weiß ich, wie schnell und manchmal auch wie still ein Leben zu Ende gehen kann und wie schnell ein Mensch in Vergessenheit gerät.

Deshalb sehe ich das Schreiben inzwischen auch als eine persönliche Aufgabe. Ich möchte den Menschen eine Stimme geben, die einst gelebt haben, deren Namen aber in keiner Chronik stehen. Denn jeder Mensch hatte seine eigene Geschichte, seine Hoffnungen und seine Schicksale. Und ich finde, auch diese Menschen verdienen es, nicht vergessen zu werden.


Vielen Dank für das interessante und offene Interview, Sebastian, und viel Erfolg mit allem, was du noch schreibst.