Autoreninterview mit: Marie Zeitler

Frage 1: Wann hast du angefangen zu schreiben, und was hat dich schlussendlich dazu gebracht dein erstes Buch zu veröffentlichen?

Ich habe während meines Englischstudiums immer wieder Romane angefangen und die Projekte wieder verworfen. Meinen Debütroman „Flora Cabret“ habe ich ursprünglich nur für mich geschrieben. Es war erst eine Art Tagebuch und wurde später als Roman veröffentlicht. Als die Ausgangssperre in Bayern kam, beschloss ich all meine Energie in die Veröffentlichung zu stecken,um mich von Corona und den auferlegten MAßnahmen abzulenken. 

Frage 2: Wie fühlst du dich, wenn deine Bücher online gehen und die ersten Lesermeinungen dazu eintreffen?

Ich bin stolz, aufgeregt und glücklich. Dennoch plagen mich oft Selbstzweifel, denn mir ist klar, das jeder meiner Gedanken schon mal von jemandem vor mir gedacht wurde. 

Frage 3: Wer oder Was hat dich zu deinen Geschichten inspiriert, oder schreibst du einfach darauf los?

Ich habe in Flora Cabret ein sehr dunkles Kapitel in meinem Leben verarbeitet: ich war körperlich und psychisch krank, musste in eine Klinik für Psychosomatik und erkannte dort, dass ich in einer fatalen, toxischen Beziehung gefangen war. Mich daraus zu befreien, hat mich sehr viel Kraft gekostet und auch der Weg nach der Klinik war sehr steinig. Das alles habe ich schriftlich festgehalten. Für mich war das Schreiben ein Ventil, um mich zu stabilisieren. 

Frage 4: Gibt es einen Lieblingsort, an dem du schreibst?

Im Wohnzimmer, auf meiner Couch.

Frage 5: Was sagen deine Familie und Freunde dazu das du schreibst und lesen sie deine Bücher?

Meine Freunde bewundern meinen Mut, so schonungslos ehrlich und reflektiert über mich und meine Vergangenheit zu berichten. Ich habe mit „Flora Cabret“, die Hosen runter gelassen und Themen angesprochen, die wenig gesellschaftstauglich sind, so wie Sexsucht und psychische Krankheiten.

Frage 6: Als Autor wachsen einem sicher die Protagonisten, die man entstehen lässt ans Herz, wie geht es dir dabei, wenn du unter ein Buch das Wort ENDE schreibst?

Ich habe nicht das Gefühl, endgültig mit meinem Buch abzuschließen. Flora wird bestimmt eine Fortsetzung bekommen, deshalb ist und bleibt sie in meinem Herzen. Ich bewundere sie und ihren Mut, immer wieder vom Boden aufzustehen. Und muss schmunzeln, denn ich bin sie.

Frage 7: Gehst du neben dem Schreiben auch noch einem anderen Beruf nach, wenn ja welchen? Und wie schaffst du es das alles unter einen Hut zu bringen?

Ich bin Lehrerin und schreibe deshalb auch unter dem Pseudonym Marie Zeitler. Leider ist das Thema von „Flora Cabret“ nicht salonfähig und ich möchte mich schützen.

Frage 8: Gibt es etwas das du deinen Lesern gerne mitteilen und sagen möchtest?

Wenn nur ein Leser auch nur eine einzige Zeile aus meinem Buch für gut befindet und für sich selbst übernimmt, habe ich mein Ziel erreicht. Es geht mir nicht darum, auf Kosten meiner traurigen Vergangenheit reich zu werden. Flora zu veröffentlichen war ein Befreiungsschlag. Mit meinem Buch möchte ich anderen Mut machen, zu sich zu stehen. Nur dann verlieren die Dämonen unserer Vergangenheit ihre Macht über uns, denn sie mögen das Tageslicht nicht. Nachts, wenn alles ruhig ist, sind sie am lebendigsten. In endlosen Schleifen lassen wir die Ereignisse Revue passieren, quälen uns mit Selbstvorwürfen und schämen uns. Der einzige Ausweg ist, zu den Fehlern zu stehen, die wir begangen haben, und gespannt abzuwarten, wie die Umwelt darauf reagiert. Es wird immer Menschen geben, die nicht weglaufen. Diese sind es wert, Freunde genannt zu werden.

Vielen Dank für das interessante und offene Interview Marie und viel Erfolg mit allem, was du noch schreibst.

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