Autoreninterview: Heike Rissel

Frage 1: Wann hast du angefangen zu schreiben, und was hat dich schlussendlich dazu gebracht dein erstes Buch zu veröffentlichen?

Ich habe schon in der Schule im Deutschunterricht gern Aufsätze geschrieben. So mit 12 Jahren verbrachte ich den Großteil der Sommerferien mit dem Schreiben einer Abenteuergeschichte für Mädchen, die ich jedoch leider nicht beendet habe. Diese Geschichte ist mir im Übrigen beim Aufräumen erst kürzlich wieder in die Hände gefallen. Gar nicht so schlecht eigentlich für eine Zwölfjährige, ha, ha…. So richtig damit angefangen habe ich aber erst 2009 mit meinem Erstling „Im Zeichen von Licht und Schatten“

Dieses erste Buch habe ich nie mit dem Vorsatz geschrieben, es zu veröffentlichen. Ich hab sogar seeehr lange geheim gehalten, dass ich eine Geschichte schreibe. Was anderes war es anfangs nicht – eine Geschichte, die mir Freude bereiten sollte. Erst als ich etwa 500 Seiten zu Papier gebracht hatte, geisterte mir durch den Kopf, dass es doch irgendwie schade sei, dieses Manuskript in der Schublade vermodern zu lassen.

Frage 2: Wie fühlst du dich, wenn deine Bücher online gehen und die ersten Lesermeinungen dazu eintreffen?

Unglaublich aufgeregt. Mit Gefühlslagen von „Himmelhochjauzend“ bis „Zutodebetrübt“. Zum Glück neige ich nicht zum Nägelkauen, sonst wären die bereits bis aufs rohe Fleisch abgeknabbert. Ich bin in den Tagen der Veröffentlichung zu nicht allzuviel zu gebrauchen. Gut, dass ich dieses Mal am Veröffentlichungstag von „Survive-uns trennen Welten“ eine Releaseparty organisieren und durchführen musste. Hab ich mir übrigens selbst eingebrockt, aber ich hab da so tolle Rückmeldungen bekommen, dass ich am Abend völlig ausgepowert, aber glücklich ins Bett gehen konnte. Gekonnt den Nervenstress umgangen, wie ich meine.

Frage 3: Wer oder Was hat dich zu deinen Geschichten inspiriert, oder schreibst du einfach darauf los?

Die Inspiration zu meinen ersten Geschichten, die ja Vampirstories waren, hab ich mir tatsächlich bei einer Lesung von Rebecca Abrantes, die ja ebenfalls im Vampirgenre unterwegs ist, geholt. Genau so etwas wollte ich lesen. Gab es aber nicht in befriedigendem Maße für mich. Dann folgte jede verdammte Nacht eine Traumsequenz, die mich vom Schlafen abgehalten hat. Irgendwann habe ich mich dann an den Computer gesetzt und beschlossen sie mir aus dem Kopf zu schreiben und so meinen schlaflosen Nächten ein Ende zu bereiten. Aus dieser Verzweiflungstat ist dann eine ca. 700 Seite lange Story entstanden. Mein erstes Buch. Der Beginn einer intensiven Beziehung zu dem Vampir Raffael und seinen Mitstreitern. Die Ideen zu meinen Geschichten kommen mir oft, wenn ich allein unterwegs bin. Beim Spazierengehen, Schwimmen oder Autofahren. Auch so stupide Dinge wie Gemüse schnippeln oder bügeln lassen mein Gedankenkarussell kreisen.

Frage 4: Gibt es einen Lieblingsort, an dem du schreibst?

Ideen zu einer neuen Geschichte oder zu einer Handlung passieren mir schon an den ungewöhnlichsten Stellen. Daher gibt es viele kleine Papierschnipsel, Tankrechnungen, Parkscheine oder auch Bierdeckel, die mit Stichworten gefüllt sind, aber auch durchaus ganze Seiten eng mit der Hand beschrieben, wenn ich unterwegs mal Zeit habe.

Es gibt jedoch ziemlich feste Orte, an denen ich schreibe. Das ist meist mein Lieblingsplatz an der Stirnseite meines Esszimmertisches, von dem aus ich einen schönen Blick auf den Garten und, gerade jetzt, wenn es draußen kalt ist, auf den brennenden Kaminofen habe.

Im Sommer kann es aber schon mal passieren, dass ich unter meinem Rosenpavillon sitze, wo ich meinen Blick über Feld und Flur, meinen Garten oder aber auch hinauf in den Himmel schweifen lassen kann.

Frage 5: Was sagen deine Familie und Freunde dazu das du schreibst und lesen sie deine Bücher?

Ein Großteil meiner Familie empfindet mein Autorensein doch noch ein wenig als ein schrulliges Hobby ihres durchgeknallten Familienmitglieds. Obwohl sie es so langsam akzeptieren. Die weiblichen Familienmitglieder lesen tatsächlich auch meine Bücher, meine inzwischen 92 jährige Schwiegermutter hat die Manuskripte sogar testgelesen und korrigiert.

Im Freundeskreis ist es sehr verschieden. Es gibt darunter begeisterte Fans und natürlich auch die eher uninteressierte Freundesschar. Aber das ist in Ordnung.

Frage 6: Als Autor wachsen einem sicher die Protagonisten, die man entstehen lässt ans Herz, wie geht es dir dabei, wenn du unter ein Buch das Wort ENDE schreibst?

Uff – da sprichst du etwas an. Nach dem ersten Buch bin ich regelrecht in ein tiefes schwarzes Loch gefallen, als ich meine Protas plötzlich alleinlassen musste. Gott sei Dank war da ja schon die Fortsetzung in Planung.

Aber ich hatte schon anfangs Schwierigkeiten, mich auf meine neuen Protas einzulassen. Ich bin sehr froh, diese Anfangsschwierigkeiten überwunden zu haben und mit meinen Protas aus Survive mitleiden, mitfreuen und mitfiebern zu können. Survive ist ja nun beendet und es wird keine Fortsetzung geben. Dadurch, dass ich knapp sechs Jahre an diesem Fantasydrama geschrieben habe, sind mir die Charaktere einerseits zwar sehr ans Herz gewachsen, aber andererseits bin ich froh, sie in die Welt, die ich für sie geschaffen habe, entlassen konnte. Ich bin mir sicher, sie werden zurechtkommen.

Das Wörtchen „Ende“ ist eigentlich immer mit einer tiefen Befriedigung und Erleichterung verbunden. Es ist geschafft. Zeit für etwas Neues.

Frage 7: Gehst du neben dem Schreiben auch noch einem anderen Beruf nach, wenn ja welchen? Und wie schaffst du es das alles unter einen Hut zu bringen?

Ich bin seit ein paar Jahren zu Hause. Durch meine rheumatoide Arthritis habe ich den Status der Erwerbsminderungsrentnerin. Aber ich pflege, gemeinsam mit meinem Bruder, meine demenzkranke Mutter, die leider etwa 100 km von mir entfernt lebt. Den Großteil der Pflege übernimmt zwar mein Bruder, der vor Ort wohnt, aber durch die Fahrerei bin ich doch viel unterwegs. Schreiben kann ich daher nicht in dem Umfang, wie ich gern möchte. Aber es funktioniert so einigermaßen.

Frage 8: Gibt es etwas das du deinen Lesern gerne mitteilen und sagen möchtest?

Ich freue mich, wenn ich meinen Lesern eine gute Story bieten kann, ihnen Lesegenuß zu bereiten. Insbesondere freue ich mich über jeden einzelnen Leser, den ich mitnehmen kann in das große Abenteuer Lesen, den ich mitnehmen kann in meine Träume

Ich vermisse ein wenig den direkten Austausch mit meiner Leserschaft, die Lesungen, die mir Aufschluss gegeben haben, was gefallen hat und was eher nicht so. Was ich besser machen könnte und was gut gelungen ist.

Deshalb sind zur Zeit besonders die Rezensionen für mich wichtig, die mir ein Spiegelbild der Lesermeinung geben können.

Rezensionen sind für mich wie der Applaus für einen Musiker. Bestätigung oder Bemängelung. Eine Bewertung meiner Arbeit. Ein Erfahrungsaustausch sozusagen. Ich freue mich natürlich wie wohl die meisten Menschen, über eine positive Kritik. Versuche jedoch auch einer negativen Bewertung ihr Gutes abzugewinnen. Und ich möchte einmal eines klarstellen: Ich weiß, dass viele Leser meinen, sie müssten irgendetwas Hochtrabendes und Hochgestochenes bei so einer Rezi von sich geben, haben Angst Fehler zu machen – das ist völliger Quatsch. Bereits ein oder zwei Sätze sind schon ein wichtiger Hinweis darauf, ob es gut genug war, oder ob noch etwas gefehlt hat.

Ein Wunsch an meine Leser:
Ich wünsche allen meinen Lesern, dass sie irgendwann, irgendetwas in ihrem Leben finden, das sie so erfüllt wie mich das Schreiben.

Aber zum Schluss möchte ich es nicht versäumen, mich bei Bärbel Zimmer für das tolle Interview zu bedanken. Ich freue mich immer, wenn ich die Gelegenheit bekomme, über meine Bücher und meine Arbeit zu berichten.

Vielen Dank für das interessante und offene Interview Heike und viel Erfolg mit allem, was du noch schreibst.

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