„Astrid Korten – ZWEI LEBEN: Das Versprechen“

Rezension:

Astrid Korten gelingt mit ZWEI LEBEN: Das Versprechen ein eindrucksvoller Roman, der leise, aber nachhaltig berührt. Die Handlung bewegt sich überwiegend in der Gegenwart (2014 in Brügge), bietet aber zugleich eine Rückblende in das Leben von Vincent Molen und verknüpft so Vergangenheit und Gegenwart zu einer sehr persönlichen, menschlichen Geschichte.

Die Protagonistin Juna ist erschöpft – Auslöser ist ein Burn-out, wie es heißt. Alles erscheint still, eingefroren, die Stadt, ihr Gemüt, das Jetzt. Um sich nicht zu verlieren, engagiert sie sich als ehrenamtlicher „Buddy“.

Durch diese Tätigkeit begegnet sie Vincent, einem alten, wortkargen Mann, in dessen Leben sich Stück für Stück ein reicher Erfahrungsschatz offenbart: Verlust, Mut, Liebe, aber auch Schatten eines Versprechens, das gebrochen scheint.

Was diesen Roman besonders macht, sind nicht die dramatischen Höhepunkte, sondern die leisen Momente: ein Spaziergang, eine Tasse Tee, ein vergilbtes Foto, ein brüchiges Wort. Die Autorin schafft es, das Innenleben ihrer Figuren sehr glaubhaft zu zeichnen, und zeigt, wie Erinnerungen und unausgesprochene Wahrheiten wirken, selbst wenn nicht alles ausgesprochen wird. Juna erlebt, wie Vincents Geschichte sie zum Nachdenken bringt – nicht nur über sein Leben, sondern über ihre eigene Vergangenheit und über das, was Liebe und Versprechen in Zeiten des Schweigens sind.

Eine dichte und atmosphärische Beschreibung kennzeichnet das Buch. Die Stille in Brügge wird nicht als Leere dargestellt, sondern als Raum, in dem Heilung möglich ist; der Winter wird so eindringlich, dass man die Kälte fast spürt.

Die Charakterzeichnungen sind vielschichtig – besonders Vincent, mit seinem gebeugten Blick auf das Leben, aber auch Juna, die mittendrin steht, an einem anderen Ort zwischen Selbstverlust und Selbsterkenntnis.

Man fühlt, dass nichts überstürzt, sondern alles allmählich ans Licht kommen darf.

Die Themen Erinnern, Verdrängung, Versprechen und Schuld werden auf eine sensible Weise behandelt.

ZWEI LEBEN: Das Versprechen ist kein schneller Roman, sondern benötigt Zeit – für die Lautlosigkeit, die sich aus Verlust ergibt, und für das, was wir gelegentlich nicht ausdrücken, aber dennoch empfinden.

Die Geschichte berührt das Herz auch nach dem Lesen noch lange.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung. 

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Genre: Familienroman

Seitenzahl Paperback: 307

Seitenzahl E-Book: 386

Veröffentlichung: 5. September 2025

Paperback ISBN-13: 979-8264031694

E-Book ISBN-13:

Erhältlich: E-Book & Taschenbuch

Gelesen von B.Z.

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