Autoreninterview: Stefanie Hohn

Frage 1: Wann hast du angefangen zu schreiben, und was hat dich schlussendlich dazu gebracht dein erstes Buch zu veröffentlichen?

Ich habe schon als Kind Geschichten geschrieben und während meines Studiums der Literaturübersetzung mehrere Anläufe gemacht, einen Roman zu schreiben. Hat nicht funktioniert, weil mir das Handwerkszeug und wahrscheinlich auch die Reife und Ausdauer fehlte. Meinen ersten Roman habe ich mit Mitte dreißig vollendet, habe aber damals keinen Verlag gefunden. Aus lauter Frust habe ich das Manuskript in die Schublade gepackt und 12 Jahre lang kein einziges Wort mehr geschrieben. Ziemlich dumm war das. 2015 habe ich dann ein Studium bei der Schule des Schreibens begonnen und mich endlich getraut, dieses Manuskript zu überarbeiten und im Selfpublishing zu veröffentlichen. Das war ein wichtiger Schritt, der mir den Mut und das Selbstvertrauen gegeben hat, mich als Autorin weiterzuentwickeln. Erst danach war ich frei, um wirklich ernsthaft Romane zu schreiben und zu veröffentlichen.  

Frage 2: Wie fühlst du dich, wenn deine Bücher online gehen und die ersten Lesermeinungen dazu eintreffen?

Schrecklich! Es ist jedes Mal schrecklich. Am liebsten möchte ich vor jeder Veröffentlichung einen Rückzieher machen. Besonders im Selfpublishing sind die Zweifel überwältigend. Habe ich das richtige Cover gewählt? Ist es der richtige Zeitpunkt? Ist die Geschichte wirklich rund? Hätte ich nicht noch mehr überarbeiten sollen? Wer wird es lesen? Wird es sich verkaufen? Was, wenn die ersten Rezensionen vernichtend sind? (zum Glück war das bisher nie der Fall, aber die Angst, einen Flop zu landen, ist immer da). Die Anspannung ist enorm – und wenn dann erste positive Reaktionen kommen, könnte ich die Welt umarmen vor Erleichterung.

Frage 3: Wer oder Was hat dich zu deinen Geschichten inspiriert, oder schreibst du einfach darauf los?

Ich schreibe nie „einfach darauf los“. Ich brauche tatsächlich immer recht lange, bis aus einer Idee eine tragfähige Geschichte wird. Inspiration kommt aus allen möglichen Dingen: Situationen, Erfahrungen, Bücher, Kinofilme, Reisen, Gespräche, Bilder, Träume … Millionen Eindrücke prasseln so jeden Tag ungefiltert auf uns ein und meistens gleiten sie an uns ab. Manchmal aber hakt sich etwas fest, vielleicht im Bewusstsein, vielleicht auch im Unterbewusstsein. Oft sind das einfach nur bruchstückhafte Gedanken oder auch Bilder, die so ganz ohne Zusammenhang sind, von denen ich aber weiß, dass sie bedeutungsvoll sind – oder sein können. Irgendwann passiert dann vielleicht etwas im Außen, oder auch im Innen, das dieses Bruchstück, diesen Puzzlestein in ein anderes Licht setzt, es regelrecht „in Brand“ setzt. Das ist dann der Zündfunke zu einer neuen Geschichte. Es lässt sich nicht einfach erklären – das ist die Magie der schöpferischen Kraft. Ein Beispiel: In meinem Roman DIE MAGIE DER FARBEN gibt es eine Szene mit einem Grabstein. Ich bin dafür extra zu einem Steinmetz gefahren, um zu wissen, wie und wo Grabsteine entstehen. Da lag so ein Bruchstück von einem Marmorblock herum. Dieses Bild, dieser unbehauene, grobe Steinblock, hat mich nicht losgelassen. Aber ich hatte keine Ahnung, wieso. Dann träumte ich eines Nachts von dem Haus auf unserem benachbarten Grundstück, das gerade gebaut wurde. Es war in meinem Traum tagsüber nicht zu sehen, nur nachts. Ich bin wach geworden und wusste: da ist deine nächste Romanidee! Das war der Zündfunke, der den Motor zu DIE EWIGKEIT DES AUGENBLICKS in Gang gesetzt hat.

Frage 4: Gibt es einen Lieblingsort, an dem du schreibst?

Ja! Meine Schreibhütte! Das war unser Corona-Familien-Projekt: Wir haben einen ziemlich großen, verwilderten Garten. Dort hinein haben wir eine Gartenhütte gebaut, in der ich jetzt schreiben darf. Luxus pur!

Frage 5: Was sagen deine Familie und Freunde dazu das du schreibst und lesen sie deine Bücher?

Meine Familie findet es ziemlich gut, dass ich schreibe, weil es mich glücklich macht und ich dadurch deutlich ausgeglichener geworden bin als früher. Aber sie lesen meine Bücher nicht. Und ich dränge sie nicht dazu. Es ist okay für mich. Vielleicht finde ich es sogar gut. Die meisten meiner Freunde/Freundinnen lesen meine Bücher – und das sehr gerne. Ich bekomme viel Feedback und Zuspruch und mittlerweile weiß es, glaube ich, auch so fast jeder in meinem näheren und weiteren Bekanntenkreis. Das hat ein bisschen gedauert, weil ich nur sehr zögerlich damit rausgerückt bin, dass ich Romane schreibe.

Frage 6: Als Autor wachsen einem sicher die Protagonisten, die man entstehen lässt ans Herz, wie geht es dir dabei, wenn du unter ein Buch das Wort ENDE schreibst?

Das ist immer ein Mix aus Erleichterung und Wehmut. Es entsteht eine gewisse Leere, denn immerhin strukturiert das Schreiben an einem Roman meine Tage. Wenn das dann erstmal für eine Weile wegfällt, ist es einerseits schön, weil ich endlich mal wieder Zeit für Anderes habe, andererseits fehlt etwas. Aber im Grunde überwiegt schon die Freude und Erleichterung darüber, es geschafft zu haben.

Frage 7: Gehst du neben dem Schreiben auch noch einem anderen Beruf nach, wenn ja welchen? Und wie schaffst du es das alles unter einen Hut zu bringen?

Ich arbeite als Fernlehrerin für die Schule des Schreibens und als Dozentin für das literarische Übersetzen und kreative Schreiben. Beides lässt sich gut in meinen Schreiballtag integrieren, auch wenn meine Tage ziemlich ausgefüllt sind und ich dadurch wirklich sehr viel Zeit vor dem PC verbringe (besonders jetzt durch Corona).

Frage 8: Gibt es etwas das du deinen Lesern gerne mitteilen und sagen möchtest?

Da gibt es nur eins zu sagen: DANKE! Ich bin unendlich dankbar, dass es Menschen gibt, die meine Bücher lesen und mir dadurch ermöglichen, meinen einzigen, wahren und echten Traumberuf auszuüben. Ich wollte das immer – und jetzt habe ich es tatsächlich geschafft, eine kleine aber stetig wachsende Leserschaft zu erreichen, die den Geschöpfen meiner Fantasie gerne folgt und sich von ihnen bewegen lässt. Ohne euch wären meine Worte nichts weiter als schwarze Symbole auf weißem Papier. Danke dafür!

Vielen Dank für das interessante und offene Interview Stefanie und viel Erfolg mit allem, was du noch schreibst.

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