Autoreninterview mit: Michael G. Spitzer

Frage 1: Wann hast du angefangen zu schreiben und was hat dich schlussendlich dazu gebracht, dein erstes Buch zu veröffentlichen?

Im Gegensatz zu den meisten Autoren lautet mein erster Satz nicht „Ich schreibe Geschichten, seit ich denken kann!“. Zwar habe ich immer wieder daran gedacht, doch angefangen mit dem Schreiben habe ich erst sehr spät. 2015 musste ich mir überlegen, ob ich mein Leben weiterhin so unzufrieden bestreiten wollte, wie ich es zu diesem Zeitpunkt tat. Vieles ging mir einfach nur auf die Nerven, was leider auch meine Familie zu spüren bekam.

Meine Frau zeigte mir die „gelbe Karte“ und forderte (zu Recht!) eine Änderung. Ich schränkte einige private Verpflichtungen ein und suchte mir ein Hobby. Tja: Das war das Schreiben.

Zunächst sollte es einfach nur eine Geschichte sein. Ein Abschalten der Welt, die mich stresste. Ich schrieb, schrieb und schrieb. Die Story floss nur so aus meinen Fingern. Nach rund 5 Monaten war die komplette Geschichte um „Die letzte Melderin“ geschrieben. Natürlich war sie nicht im Ansatz buchreif. Meine Frau las sich das „Manuskript durch und war positiv überrascht, was die Suche nach einem „Hobby“ zustande brachte. Oft und lang haben wir über „Dan“ und ihre Erlebnisse gesprochen, bis meine Frau meinte, nach einer Überarbeitung könnte daraus durchaus ein Buch werden. Naja, es waren jedoch zu viele Seiten für nur ein Manuskript. Entsprechend teilte ich die Story durch drei und suchte mir jemanden, der die Cover zu den Bänden kreiert. Schnell fand ich mit Katharina Netolitzky eine Designerin, die nach nur wenigen Tagen die Cover zu allen Bänden von „Die letzte Melderin“ perfekt nach meinen Wünschen erstellte. 

Nach einer gründlichen Überarbeitung, die im Nachhinein gesehen allerdings immer noch unzureichend war, veröffentlichte ich die ersten beiden Teile im Jahr 2016 als eBook. Erst, als ich Ende des gleichen Jahres Kontakt zum Hybrid Verlag bekam und das Buch trotz Veröffentlichung der ersten beiden Bände übernommen wurde, erhielt „Die letzte Melderin“ ihren Feinschliff im Lektorat und der Korrektur.

Frage 2: Wie fühlst du dich, wenn deine Bücher online gehen und die ersten Lesermeinungen dazu eintreffen?

Dieses Gefühl hatte ich auf verschiedene Arten. Als „Die letzte Melderin“ als eBook erschien, war ich einfach nur gespannt, was die Leser sagten. Allerdings habe ich es aufgrund fehlender Papierform nicht wirklich als Buch ansehen können. Natürlich war ich von jeder Rezension, die über einen Stern hinausging begeistert, da alle bis dato sehr hilfreich für mein neues Projekt waren, welches ich zwischenzeitlich begonnen hatte, doch ich sah es eher „technisch“ als emotional. 

Erst, als mein erstes Print „Zwei Welten“, der erste Band der Dilogie „Die zehnte Generation“ über den Hybrid Verlag das Licht der Welt erblickte, war ich richtig nervös. Hier handelte es sich um mein erstes „echtes“ Buch, welches vor der ersten Veröffentlichung ein Lektorat (sogar zwei, da der Hybrid Verlag technisches Lektorat vom inhaltlichen abgrenzt und gesondert durchführt) erhielt. Über jede Rückmeldung habe ich mich gefreut wie ein kleines Kind zu Weihnachten. Natürlich gab es auch kritische Stimmen, doch auch diese haben mir in meinem Machwerk als Autor erheblich weitergeholfen und ich bin dankbar für jeden Hinweis, den ich als Verbesserungsvorschlag erhalte.

Frage 3: Wer oder Was hat dich zu deinen Geschichten inspiriert? Oder schreibst du einfach darauf los?

„Die letzte Melderin“ kam mir zunächst als ich-schreibe-mal-eine-Geschichte-Story in den Sinn. 

Zu „Zwei Welten“ erhielt ich inhaltliche Vorgaben durch meine Frau, die sehen wollte, ob ich auch mit sowas wie einem vorgeplanten Plot arbeiten kann. Was soll ich sagen? Die Vorgaben habe ich alle eingehalten, doch geplottet habe ich nicht. Versucht? Ja! Jedoch haben sich meine Figuren sehr schnell überlegt, sich nicht an Regeln und Richtungen zu halten. Ich bin der einfach-drauf-los-Schreiber, der eine grobe Ahnung hat, wie alles verlaufen soll, doch keine steife Vorlage umsetzen kann.

Aus diesem Grund mag ich zwar Anthologien und Kurzgeschichten, die ich auch schon geschrieben habe und die auch veröffentlicht wurden, doch Romane mit feststehendem Inhalt könnte ich nicht auf Ansage schreiben. Deswegen macht es für mich (leider) keinen Sinn, bei Ausschreibungen von Verlagen mitzumachen, da ich deren Vorgaben wahrscheinlich nur teilweise erfüllen könnte.

Frage 4: Gibt es einen Lieblingsort, an dem du schreibst?

Tatsächlich gibt es nur einen Ort an dem ich schreibe. Ich nutze immer noch einen „normalen“ PC. Kein Laptop, Tablet oder Handy. Somit bin ich an meinen Schreibtisch unter der Treppe zur ersten Etage unseres Hauses gebunden. Das hat etwas von Harry Potter bei den Dursleys, doch ich darf und kann jederzeit aufstehen und weggehen *lach*

Frage 5: Was sagen deine Familie und Freunde dazu das du schreibst und lesen sie deine Bücher?

Wie ich ja vorher schon schrieb, ist das Schreiben als Hobby entstanden, als ich mein Privatleben umkrempeln musste. An dem Tag, als ich mich dafür entschied, teilte ich es meiner Frau mit. Da ich zu diesem Zeitpunkt mit ihr noch nie über etwas Derartiges gesprochen hatte, erwartete ich einen kleinen Lachanfall oder Ähnliches. Doch es kam ein „Klasse Idee! Mach!“. Meine Kinder sahen das ähnlich und als die Bücher herauskamen, machten sie reichlich Werbung im Freundeskreis *lach*

In meinem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis habe ich meine neue Passion zunächst sehr zurückhaltend bekanntgegeben. Jedoch waren die Reaktionen meist positiv, wodurch ich mich entschied, mit allem wesentlich offener umzugehen. Da ich meine ersten Geschichten allerdings im Bereich Young Adult angesiedelt habe, sind und waren sie nicht jedermanns Geschmack. Nur wenige haben die Ereignisse um „Dan“ als letzte Melderin und Charlotte als zehnte Generation gelesen. Diejenigen, die es taten, gaben mir aber sehr positive Rückmeldungen. Natürlich gab es auch kritische Blicke und ein mitleidiges Lächeln. Doch meist verschwand es nach dem Hinweis, dass sich mittlerweile ein Verlag für meine Bücher gefunden hat, der sie verlegt.

Frage 6: Als Autor wachsen einem sicher die Protagonisten, die man entstehen lässt ans Herz. Wie geht es dir dabei, wenn du unter ein Buch das Wort ENDE schreibst?

*lach* Ich schreibe dieses Wort nicht. Alle meine Stories sind bisher mit einer kleinen Hintertür versehen, die eine Fortsetzung zumindest theoretisch ermöglichen.

Allerdings muss ich gestehen, dass ich jedes Mal, wenn die Geschichte zu Ende geschrieben ist, einen fetten Kloß im Hals habe und mir innerlich selbst zurufe, dass ich nicht aufhören will. Auch im Nachhinein fallen mir immer wieder Umstände ein, die Danielle Berg oder Charlotte Shearer noch berücksichtigen müssten. Manchmal erwische ich mich auch dabei, tatsächlich nach Möglichkeiten einer Fortsetzung zu suchen.

Frage 7: Gehst du neben dem Schreiben auch noch einem anderen Beruf nach, wenn ja welchen? Und wie schaffst du es das alles unter einen Hut zu bringen?

Nur die wenigsten Autoren können tatsächlich vom Schreiben leben und viele, die es versuchen, kommen geradeso über die Runden. Oftmals auch das nur kurz.

Hauptberuflich bin ich Polizist bei der Autobahnpolizei Köln. Durch den dortigen Schichtdienst ist es manchmal schwer, die Literatur mit Arbeit und Familie in Einklang zu bringen. Wenn es zeitlich eng wird, geht auf jeden Fall die Familie vor das Schreiben. Jedoch finde ich immer wieder mal ein paar Stündchen, in denen neue Protagonisten entstehen und sich entwickeln.

Frage 8: Gibt es etwas das du deinen Lesern gerne mitteilen und sagen möchtest?

Wenn sich plötzlich eine Idee manifestiert, wächst und selbst in Träumen vorkommt, dann möchte, nein WILL sie unbedingt geschrieben werden. 

Sollte sich also jemand Gedanken machen, eine Geschichte zu schreiben, und die Idee ist bereits fest im Kopf, dann hier mein Rat: Klasse Idee! Mach!

Vielen Dank für das interessante und offene Interview Michael und viel Erfolg mit allem, was du noch schreibst.

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