Autoreninterview mit: Markus Mittmann

Frage 1: Wann hast du angefangen zu schreiben, und was hat dich
schlussendlich dazu gebracht, dein erstes Buch zu veröffentlichen?

Ich wollte als Kind schon einen Roman schreiben, wusste aber nicht worüber. Später im Germanistikstudium habe ich mit Lyrik und Kurzgeschichten angefangen, und ich wollte immer doch lieber selbst schreiben, als mich über die Texte anderer auszulassen.
Weil mich aber auch immer die Architektur und die Geschichte des "Dritten Reichs" interessiert hat, arbeitete ich lange an einem sehr dicken Fachbuch zur Architektur des Nationalsozialismus, was auch meine Doktorarbeit in Architektur geworden ist. Schreiben und Sprache sind für mich aber bei allem immer das Wichtigste gewesen. Als Nebeneffekt war ich es leider immer, der in der Familie irgendwelche Reklamationsschreiben o. Ähnliches verfassen musste.

Frage 2: Wie fühlst du dich, wenn deine Bücher online gehen und die
ersten Lesermeinungen dazu eintreffen?

Es ist total spannend Meinungen über etwas zu erhalten, an dem man so lange gearbeitet hat, und es ist schon verblüffend, wie derselbe Text von verschiedenen Lesenden ganz unterschiedlich gelesen und verstanden werden kann. Es ist beglückend, wenn ich merke, dass meine Worte Seelen bewegen können und für Menschen bedeutsam geworden sind. Am deutlichsten habe ich das allerdings in meinen Lesungen festgestellt. Man merkt da auch, an welchen Stellen die Zuhörenden eher betroffen sind oder wo sie einfach loslachen. Und die persönlichen Reaktionen nach meinen Lesungen sind bisher immer sehr intensiv und überraschend offen gewesen. Es ist toll, dass trotz Corona nicht alle meine Lesungen und auch damit verbundene kleine Reisen verschoben worden, z.B. trotzdem als open-air stattfinden konnten. Ich rate allen Schreibenden einfach weiterzumachen und zu tun, was geht, das ist das Allerbeste!

Frage 3: Wer oder Was hat dich zu deinen Geschichten inspiriert, oder
schreibst du einfach darauf los?

Ausgangspunkt ist für mich immer ein plötzlicher Einfall, der sich nicht herbeiführen oder zwingen lässt. Da sehe ich wie in einem Film eine fertige Szene, z.B. beim "Wodka mit Grasgeschmack" eine Familie in einem engen Auto auf der Autobahn, die ganze Situation, die Gedanken, die Gespräche. An dieser Ausgangssituation schreibe ich danach weiter und verfasse unzählige Textfragmente, erst auf Zetteln, dann als Eintragungen in ein Ringbuch. Irgendwie wundersam fügen diese sich mit der Zeit zu einem Ganzen. Da bin ich oft selbst überrascht, wie nahtlos zwei Stücke aus unterschiedlicher Entstehungszeit dann zusammenpassen. Inhaltlich schreibe ich aber nur über das, was ich kenne, wofür etwas in  mir brennt. Ich finde, wenn die eigene Seele tief beteiligt ist, kann man auch andere Seelen erreichen. Und ich schreibe so wie ich bin, weshalb ich auch bei tiefen Themen den Humor für unverzichtbar halte.

Frage 4: Gibt es einen Lieblingsort, an dem du schreibst?

Am liebsten schreibe ich im Auto, meinem rollenden Büro, mit Mountainbike im Laderaum. Ich fahre an einen schönen Ort, oft am Waldrand oder am Feld mit herrlichem Fernblick und fange einfach an. Wenn ich nicht mehr weiterkomme, steige ich aus und laufe erstmal oder fahre Rad, danach geht es wieder besser weiter. So kann ich auch mal ganze Tage verbringen, Essen und Trinken, die ganze Überlebensinfrastruktur, habe ich dabei oder Bücher, die ich zum Einstimmen lese. Übrigens schreibe ich grundsätzlich mit Bleistift auf Papier und radiere auch viel, in den Computer kommt alles erst später.

Frage 5: Was sagen deine Familie und Freunde dazu das du schreibst und
lesen sie deine Bücher?

Die finden das spannend, wenn sie sich selbst oder Bekanntes literarisch verarbeitet finden. Und weil mir Echtheit und Lebensnähe wichtig sind, darf sozusagen alles einfließen, was mir vor die Flinte kommt, auch Alltägliches. Alle Beobachtungen an Orten und Menschen, da kann sich niemand sicher sein.

Frage 6: Als Autor wachsen einem sicher die Protagonisten, die man
entstehen lässt, ans Herz, wie geht es dir dabei, wenn du unter ein Buch das Wort ENDE schreibst?

Meine Protagonisten leben danach weiter, auch wenn ich sie mir nur ausgedacht habe. Dann sind sie für mich wie alte Bekannte, die gerade nicht da sind. Und die verarbeiteten realen Personen sind ja sowieso da. Nur manchmal habe ich bei diesen eine seltsame Doppelsicht, wenn ich in jemandem gleichzeitig die reale Person und meine Romanfigur sehe.

Frage 7: Gehst du neben dem Schreiben auch noch einen anderen Beruf
nach, wenn ja, welchen? Und wie schaffst du es, das alles unter einen
Hut zu bringen?

Ursprünglich komme ich ja von der Architektur und der Bildenden Kunst und das sind auch weiterhin Arbeitsbereiche von mir. Dieses gewisse Durcheinander, was dabei entsteht, sehe ich aber nicht als Problem, denn irgendwie habe ich mit der Zeit gemerkt, dass ich es wohl für mich brauche, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Da diese ganz unterschiedlichen Dinge aber auch mit unterschiedlichen Identitäten, die man damit annimmt, zu tun haben, ist das Umschalten nicht immer so ganz einfach und stressfrei.

Frage 8: Gibt es etwas, das du deinen Lesern gerne mitteilen und sagen
möchtest?

Ich freue mich wirklich über jede Leserin, jeden Leser, es ist doch wunderbar, wenn sich jemand in jene Welten begibt, die man sich ausgedacht hat. Das ist doch dann wie eine Gemeinsamkeit. Und ich hoffe mit meinem Schreiben auch immer behilflich sein zu können. Bei neuen Gedanken, Erkenntnissen, Ansichten, die sich bei den Lesenden ergeben. Das ist für mich etwas ganz Besonderes.

Vielen Dank für das interessante und offene Interview Markus und viel Erfolg mit allem, was du noch schreibst. 

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