Autoreninterview mit: Kim Rylee

Frage 1: Wann hast du angefangen zu schreiben, und was hat dich schlussendlich dazu gebracht, dein erstes Buch zu veröffentlichen?

Eine Zeit lang fuhr ich total wild auf Science Fiction ab. Leider gab es in den 90ern keinen vernünftigen Sci-Fi Film, weder im Kino noch im Fernsehen. Also habe ich mich entschieden, einen Science-Fiction-Roman zu schreiben. Das Rohmanuskript habe ich dann meinem Mann zum Lesen gegeben. Er hat mir viel konstruktives Feedback gegeben. Da wurde mir bewusst, es ist gar nicht so einfach, gute Science-Fiction zu schreiben 😉 Das Manuskript liegt noch immer in der Schublade.

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Danach habe ich erst einmal Kurzgeschichten geschrieben. Nachdem die ersten Geschichten auch auf dem Treppchen landeten, bekam ich Vertrauen in mein kreatives Schreiben. Ein Kurzgeschichtenwettbewerb auf Bookrix hatte es mir sehr angetan. Beim Recherchieren bin ich auf das Thema Alexithymie (Gefühlsblindheit) gestoßen. Schon sehr bald merkte ich, dass die Geschichte die maximale Wortzahl sprengen würde. So ist mein erster Roman „Kalte Gefühle“ entstanden, der zum Krimi des Jahres gewählt wurde und den Planet Award 2016 erhielt. Von da an hatte ich Blut geleckt.

Frage 2: Wie fühlst du dich, wenn deine Bücher online gehen und die ersten Lesermeinungen dazu eintreffen?

Zugegeben, mein Zeigefinger zittert jedes Mal, wenn ich die Taste „Buch jetzt veröffentlichen“ drücke. Ich denke, es geht vielen Autor:innen so. Das Buchkind ist dann Erwachsen und ich muss es ziehen lassen. In der großen Welt der Literatur ist es dann auf sich allein gestellt und freut sich, wenn man ihm in Form einer Rezension Beachtung schenkt. Dabei trifft es auch auf Lesermeinungen, die ihm weniger wohlgesonnen sind. Doch das gehört zum Leben dazu. Auch mir gefällt nicht immer alles. Daher bin ich für konstruktive Gedankenoffenbarung eine dankbare Abnehmerin. Schöner sind natürlich immer gute Rezensionen, das gebe ich unverhohlen zu 🙂

Frage 3: Wer oder Was hat dich zu deinen Geschichten inspiriert, oder schreibst du einfach darauf los?

Inspirationen ziehe ich aus meinem Umfeld. Manchmal ist es ein Haus, das meine Aufmerksamkeit erweckt. Es kann auch ein Kleidungsstück oder ein Wort in einem Zeitungsartikel sein. Bei der Fated Shadow Trilogie war es der Tod meines Onkels. Es heißt ja gern: Die Guten gehen immer zu früh. Mein Onkel hat zwar ein stolzes Alter von 93 Jahren erreicht, dennoch hat mich sein Ableben sehr mitgenommen. Er war der lustigste, liebenswürdigste und gut-herzigste Mensch, der mir bisher untergekommen ist. Bei seiner Beerdigung erstrahlte der Himmel im schönsten Blau. Die Bäume sangen im Wind. Ich blickte nach oben und dachte mir nur: „Ich kenne den Grund. Ihr da oben braucht jemand, der euch unterhält. Euch ist langweilig.

So begann ich „Fated Shadow – Die Jagd“ zu schreiben. Anfangs als Einzelroman konzipiert, entdeckte ich bereits beim Schreiben das Potenzial der Charaktere, sodass daraus eine Trilogie entstand. 

Frage 4: Gibt es einen Lieblingsort, an dem du schreibst?

Einen Lieblingsort per se habe ich nicht. Wenn ich unterwegs bin, habe ich immer mein Ultron dabei. Damit setze ich mich oftmals ans Elbufer. Ansonsten findet man mich an meinem Schreibplatz im Wohnzimmer. Mit einem wundervollen Blick auf meinen Feengarten. Ich freue mich, wenn mich Captain Hook besucht. Er ist 2021 geschlüpft und hat eine deformierte linke Kralle. Zum Glück ist das für eine Amsel kein zu großes Hindernis. Doch auch seine Kopffedern stehen in alle Richtungen ab, wie bei einem Punk 🙂 Jedes Mal, wenn er zu mir in den Garten kommt, schnacken wir ein wenig. Das Geheimnis seiner deformierten Kralle hat er mir bisher leider nicht verraten.

Frage 5: Was sagen deine Familie und Freunde dazu das du schreibst und lesen sie deine Bücher?

Meine Eltern sind meine größten Fans. Leider verstarb mein Vater 2020. Meine Freundinnen und Freunde finden das gut, obwohl ein Großteil meine Bücher nicht gelesen hat. Das liegt jedoch daran, dass sie keine Leseratten sind, oder kleine Kinder haben, sodass sie schier keine Ruhe zum Lesen finden.

Meine engste Freundin wollte mich dieses Jahr auf der Leipziger Buchmesse unterstützen. Da sie in Rente ist, hat sie nun Zeit zum Lesen gefunden. Sie bat mich darum, alle meine Bücher zu lesen, damit sie interessierten Standbesuchern etwas darüber erzählen könnte.

Im Januar rief sie mich an und fragte, ob sie Kritik äußern dürfte. Die wollte ich natürlich nur allzu gern hören. Es ging dabei um die Fated Shadow Trilogie und Jessy. Sie sagte, dass „gestatten: Jessy – Schutzengel“ auf jeden Fall zur Trilogie gehört. Nun ja, es ist eine Art Prequel, denn „gestatten: Jessy – Schutzengel“ spielt 1430, während die Trilogie in der heutigen Zeit angesiedelt ist. Sie verriet mir, dass sie alle 4 Bände verschlungen hat 😀

Frage 6: Als Autor wachsen einem sicher die Protagonisten, die man entstehen lässt, ans Herz, wie geht es dir dabei, wenn du unter ein Buch das Wort ENDE schreibst?

Während des Schreibprozesses werden meine Charaktere zu Familienmitgliedern. Sie wachsen mir förmlich ans Herz, ganz egal, ob gut oder böse. Ich stehe mit ihnen auf, gehe mit ihnen schlafen; manchmal quälen sie mich im Traum, oder bescheren mir eine schlaflose Nacht, in dem sie konsequent in meinem Kopf herumspringen. Ich bin immer sehr stolz auf meine Protas, da sie ihr Ziel gemeistert haben, denn manchmal endet die Heldenreise anders, als ich sie geplant hatte. Doch irgendwann muss auch mal Schluss sein, denn die nächste Geschichte entsteht bereit im Kopf und verlangt nach ihrem Recht. 

Frage 7: Gehst du neben dem Schreiben auch noch einem anderen Beruf nach, wenn ja, welchen? Und wie schaffst du es, das alles unter einen Hut zu bringen?

Ich bin Hybrid-Autorin. Meine Romane verlege ich unter dem Label Arc of Suspense selbst. Die Kurzgeschichten veröffentliche ich in Anthologien bei Verlagen. Damit ich mir die Werbung und Produktionskosten für meine Bücher überhaupt leisten kann, um wenigsten einen annehmbaren Wirkungskreis zu erzielen, arbeite ich in einem Büro in der Buchhaltung. Das ist jedoch nicht mein gelernter Beruf. Ursprünglich komme ich aus der Theaterwelt. Dort arbeitete ich u.a. als Regieassistentin, Inspizientin und habe sogar eigene Shows auf die Beine gestellt. Durch die Büroarbeit ist meine Schreibzeit begrenzt. Oftmals bleiben nur die Abende und das Wochenende, sofern mein Männe oder Familie es nicht für sich beanspruchen 😉 Das muss auch mal sein.

Frage 8: Gibt es etwas, das du deinen Lesern gerne mitteilen und sagen möchtest?

Ich möchte mich gern bei denen bedanken, die mir die Treue gehalten und mich unterstützt haben, auch weiterhin sichtbar zu sein. Ihr seid wunderbar!

Und ein ganz liebes Dankeschön an all diejenigen, die sich die Zeit genommen haben, dieses Interview zu lesen. Solltet ihr Fragen haben, traut euch gern mich anzuschreiben.

Der direkte Kontakt zu meiner Leserschaft ist mir sehr wichtig.

Und zu guter Letzt noch ein herzliches Dankeschön an dich, liebe Bärbel, für diese wundervolle Möglichkeit, dass ich mich einmal vorstellen durfte.

Vielen Dank für das interessante und offene Interview Kim und viel Erfolg mit allem, was du noch schreibst.

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